Während die meisten Zentralbanken Kryptowährungen nicht sehr offen gegenüberstehen, sieht die Banco de España (BDE) darin Chancen für die Geldpolitik des Landes. Kann man bald eine digitale Landeswährung erwarten?

Die spanische Zentralbank hat sich in den letzten Monaten eingehend mit den Vor- und Nachteilen einer digitalen Landeswährung beschäftigt. In einem Bericht zur Unterstützung von Kryptowährungen und Blockchain-Technologie kommt die Bank zu erstaunlich positiven Schlüssen. Der Bericht entstand unter der Leitung von Galo Nuño, Generaldirektor für Wirtschaft der Banco de España.

Eine digitale Währung der Zentralbank (CBDC) zu Verbesserung der Geldpolitik?

Besonders die Idee der Einführung einer digitalen Währung der Zentralbank (CBDC) und damit einhergehende Vor- und Nachteile werden beleuchtet. Der vorliegende Bericht zeigt insgesamt eine positive Einstellung der Bank zur möglichen Einführung einer spanischen Kryptowährung.

Zentral ist für die BDE aber auch, dass die Kontrolle über eine solche bei ihr bleiben müsse. Grundsätzlich äußert sich die Banco de España zu dem Thema:

Ein möglicher Grund für die Ausgabe von CBDCs könnte die Auswirkung sein, die ein möglicher Ersatz von Bargeld durch digitale Zahlungsmittel auf die Seigniorage haben könnte (…). Der dritte Grund ist die mögliche Verbesserung der Transmission der Geldpolitik. Erstens, wenn die CBDC vergütet wird, würde ihr Zinssatz zu einem Schlüsselinstrument für die Umsetzung der konventionellen Geldpolitik werden, da er die Spar- und Investitionsentscheidungen der Haushalte und Unternehmen entweder direkt (…) oder indirekt (…) beeinflussen würde. Dadurch könnte die Übertragung der Geldpolitik teilweise von der Finanzlage der Banken entkoppelt werden, was insbesondere bei Finanzkrisen von Bedeutung sein könnte.

 Blockchain für die spanische Finanzpolitik?

Nuño setzt sich in dem Bericht weiterhin mit der Frage auseinander, inwieweit Blockchain-Technologie der Unterstützung der spanischen Wirtschaft dienen kann.

Er sieht Chancen darin, dass Spanien mithilfe der Technologie die Geldversorgung und Geldmengen im Land besser kontrollieren und transparenter nachvollziehen könnte.

Auf tiefergehende Möglichkeiten, die die Technologie im Bankenumfeld bieten könnte, geht der Bericht jedoch nicht ein.

Schnelle Veränderungen nicht absehbar, Banken fehlt das Wissen

Die Offenheit, mit der die Banco de España in diesem Bericht mit dem Thema einer digitalen Landeswährung umgeht, ist überraschend und für eine Zentralbank regelrecht erfrischend. Jedoch wird auch in diesen Zeilen an vielen Stellen klar, dass durch fehlendes Fachwissen zu Kryptowährungen und Technologie noch sehr viele Fragen und Unsicherheiten offen sind.

So heißt es in der Zusammenfassung:

Daher ist es für die Zentralbanken am sinnvollsten, wachsam zu warten, die technologischen Fortschritte und ihre möglichen Anwendungen in ihren verschiedenen Verantwortungsbereichen zu analysieren und mögliche Risiken für ihre operativen und monetären Rahmenbedingungen zu vermeiden.

Eine grundsätzliche Offenheit ist vorhanden, sofortiges Reagieren sollte vermutlich dennoch nicht erwartet werden. Für die Zentralbank gilt vorerst wachsam zu warten.

[Bild: Irina Papoyan/Shutterstock]

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