Die „gute“ Nachricht zuerst: Sie wollen nicht unser Geld… aber unsere Daten. Doch was hat es mit der Initiative Q auf sich?

Spätestens jetzt sollten die meisten von „Initiative Q“ gehört haben, einem Phänomen, das sich momentan viral verbreitet. Grund dafür ist eine einfache, aber geniale Marketing-Strategie, die bereits erfolgreich von vielen ICOs im letzten Jahr genutzt wurde. Aggressive Pyramiden- oder Schneeballsysteme, die Leute bedrängen und aufrufen, die Chance ihres Lebens oder den neuen Bitcoin nicht zu verpassen. Genial ja, denn es funktioniert leider immer noch. Man muss aber fairerweise zugestehen, dass tatsächlich kein Geld verlangt wird. Dennoch hat alles seinen Preis, dazu später mehr.

Gehen wir erstmal einen Schritt zurück. Was ist die Initiative Q genau?

Auf ihrer Website beschreibt die Initiative Q ihr System in sieben einfachen Schritten. Das Ziel ist die Schaffung ein neuen weltweiten Zahlungsnetzwerks basierend auf einer globalen Währung. Wichtig zu wissen ist hier, dass es sich dabei um keine Kryptowährung handeln soll, dennoch gibt es bereits Ethereum-Adressen mit Q-Tokens und Q Reserve Tokens.

Laut Aussage des Gründers Saar Wilf ist dies nur eine Übergangslösung:

„Wir haben uns noch nicht entschieden, was die Backend-Abwicklungsplattform wird. Also haben wir in der Zwischenzeit die Ethereum-Token registriert.“

Die größte Herausforderung eines jeden Zahlungssystems ist es, auch Nutzer dafür zu finden. Ein Zahlungsnetzwerk ohne Netzwerk ist genauso viel wert wie ein selbst gebastelter Geldschein mit meinem Foto darauf. Zur Lösung dieses „Henne-Ei“-Problems haben sich die Entwickler ein besonders geniales System ausgedacht. Das meine ich durchaus ernst, denn der Erfolg gibt ihnen Recht. Als ich vor ca. 3-4 Monaten zum ersten Mal von Initiative Q gehört habe, war mir schnell bewusst, in welche Richtung das System läuft.

So lief gefühlt jeder ICO in der großen Hype-Phase ab: FOMO (Fear of Missing Out), Pyramiden, Ponzi, Airdrops, Affiliate, MLM (Multi Level Marketing). Aggressive Kampagnen, die als Ziel hatten, die Gier der Menschen zu wecken und auf ihren Schultern eine Basis von Nutzern aufzubauen. Ein System, welches sich rückblickend allerdings nur als kurzfristig erfolgreich präsentiert: eine „Community“ bestehend aus Leuten, die nur auf den schnellen Profit aus sind ist keine wirkliche Community und auch keine Basis an Leuten, die das Produkt Q in Zukunft nutzen werden.

Hier nur eine kurze Zusammenfassung, wie der Prozess bei Initiative Q aussieht und abläuft:

  • Startpunkt ist die Website mit dem Versprechen, dass eine sofortige Anmeldung einen Geldbetrag X für die Zukunft sicherstellt (sollte das Projekt erfolgreich sein)
  • Zutritt zum System nur per Einladung
  • Nach Verifizierung der Einladung bekommt man eine Mail mit dem Auftrag, möglichst schnell neue Freunde einzuladen (5 innerhalb von 96h), um so seinen Betrag an Q’s weiter zu steigern
  • Danach darf man 10 weitere Freunde einladen
  • Diese Schnitzeljagd endet vorerst mit einem Maximum an 40 geworbenen Mitgliedern

Folgender Text soll euch und eure Freunde motivieren, am „Bezahlsystem von Morgen“ teilzunehmen und seine Chance nicht zu verpassen (übersetzte Version).

Initiative Q ist ein Versuch von Ex-PayPal-Leuten, ein neues Zahlungssystem zu erschaffen und Kreditkarten, entwickelt in den 1950er Jahren, abzuschaffen. Das System verwendet seine eigene Währung, Q, um die Leute dazu zu bringen, das System zu benutzen. Sobald es fertig ist, weisen sie Qs kostenlos Leuten zu, die sich jetzt anmelden (der Betrag sinkt, wenn mehr Leute beitreten – also besser, früh mitzumachen). Die Registrierung ist kostenlos und sie fragen nur nach deinem Namen und einer E-Mail-Adresse. Es gibt nichts zu verlieren, aber wenn dieses Zahlungssystem zu einem der weltweit führenden Zahlungsmethoden wird, können deine Qs viel wert sein. Wenn du es vor sieben Jahren verpasst hast, Bitcoin zu bekommen, würdest du das hier nicht verpassen wollen.

Hier ist mein Einladungslink: https://initiativeq.com/invite/XXXXXXXXX. Dieser Link wird nicht mehr funktionieren, sobald mir die Einladungen ausgehen. Lass es mich wissen, nachdem du dich registriert hast, denn ich muss dich auf meiner Seite verifizieren.

„Warum nicht?“, es ist doch „die Chance“ für jeden der Bitcoin vor sieben Jahren verpasst hat…

Außer der Anmeldung mit seinen Daten muss man dafür auch nichts bezahlen. Hierfür gibt es eine einfache Lösung: neue Mailadresse erzeugen und damit teilnehmen, wenn man diese Chance unbedingt nutzen will.

Wie will initiative q die vorhanden probleme lösen?

Genau das ist auch der größte Vorwurf, dem man diesem Projekt machen muss. Wie in bester ICO-Scam-Manier haben die Jungs und Mädels der Initiative Q nicht wirklich viel anzubieten. In ihrer „Want to learn more?“ Rubrik weht zwar ein Hauch von Tokenomics, allerdings nur sehr oberflächlich, außerdem soll es ja keine Kryptowährung sein. In einem weiteren Teil werden die Probleme aktueller Bezahlsysteme zwar aufgezeigt, wie diese gelöst werden durch Q bleibt allerdings auch noch offen. Der FAQ-Bereich widmet sich dann den wichtigsten Fragen: Wie kann ich mich anmelden?

Fazit:

Ich möchte vermeiden, dass mein Kommentar hier falsch rüberkommt. Ich bin beeindruckt von dem Hype um das Projekt. Allerdings bin ich auch erschrocken, wie einfach es ist, sein kann, auch nach den vielen Scam Projekten Leute noch mit leeren Versprechungen in ihren Bann zu ziehen. Man muss dem Team zu Gute halten, dass es tatsächlich (außer der privaten Daten, die eh überall im Netz verstreut sind) nichts kostet. Der Ansatz, ein Produkt erst über eine Nutzerbasis zu entwickeln kann sicherlich Sinn machen, ähnlich funktionieren Kickstarter-Kampagnen. Allerdings bezweifle ich, dass diese „User“ ihre Jahrelange Roadmap wirklich abwarten werden und das Produkt später nutzen werden (Ende 2021 laut Roadmap).

Ich denke es ist ein netter Hype und ein interessantes Experiment, an welches sich in wenigen Wochen und Monaten niemand mehr erinnern wird. Vor allem hilft diese Kampagne aber einem, der Initiative Q selbst. Mit der jetzigen Sichtbarkeit und Nutzerbasis hat die Initiative Q alle Karten für ein solides Fundraising über Venture Capital in der Hand, auch ohne Produkt.

Dieser Kommentar ist eine persönliche Einschätzung und basiert auf eigener Recherche und die Nutzung der angegeben Quellen. Dies ist keine Handlungsempfehlung und der Autor ist in der Initiative Q weder involviert noch registriert.

[Bild: Yevhen Vitte/Shutterstock]

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